
Barbara Eder "Existenzgründung für Frauen"
Aller Anfang ist schwer, und der Ratgebermarkt boomt mit einer ungeheuren Zahl von Büchern zum Thema Selbstständigkeit. Wir sehen jetzt einmal davon ab, dass es politische Interessen gibt, die Arbeitslosenstatistik zu schönen, indem man jungen Menschen die Selbstständigkeit schmackhaft zu machen versucht. Es kann wirklich sein, dass sich Ihnen die einmalige Chance bietet, Ihr Wissen und Ihre Qualifikation in einer selbstständigen Tätigkeit zum Lebensunterhalt zu machen. Als Frau werden Sie sicher festgestellt haben, dass es Männer in der Schule, an der Universität und im Berufsleben leichter haben, und das gilt auch für die Privatwirtschaft. Deshalb ist es gut, dass es im Humboldt-Verlag einen speziellen Band mit dem Titel „Existenzgründung für Frauen“ gibt.
Das Buch von Barbara Eder richtet sich an Frauen jedes Lebensalters, was auch an den konkreten Fallbeispielen im letzten Abschnitt des Buches deutlich wird, und zeigt minutiös die umfangreichen Fragestellungen im Zusammenhang mit einer selbstständigen Tätigkeit auf. Zahlreiche Checklisten fordern dazu auf, die eigene Situation genau zu prüfen und realistische Antworten zu finden.
Manchmal kann die Autorin allerdings ihre Herkunft aus der Psychologie nicht ganz verleugnen, zum Beispiel, wenn sie in der Einleitung von der „Selbstständigkeit als Lebensphilosophie“ spricht. Auch die Frage, ob Sie zur Unternehmerin geboren sind, werden Sie wahrscheinlich anders als mit einem von der Autorin zitierten Satz des heiligen Augustinus beantworten. Entscheidend ist aber, dass immer wieder davon die Rede ist, Firmen aus den Universitäten herauszugründen und die Überlegung, sich als Absolventin einer Hochschule alleine oder im Team selbständig zu machen, kann durchaus für Sie von Interesse sein.
Das Buch beginnt mit einer interessanten Zusammenstellung von Daten und Fakten, warum Frauen gründen und wie sie es tun. Sie werden feststellen, dass Sie als Gründerin durchaus große Ähnlichkeiten mit anderen Gründerinnen haben. So arbeiten viele Frauen bei der Gründung alleine, ohne festen Partner oder Angestellte. Der Wunsch, eigenständig zu sein und selbst die Entscheidungen zu treffen, kommt bei sehr vielen Gründerinnen noch vor dem Geld.
Dann kommt die Autorin auf die Wichtigkeit der rechtzeitigen Zeitplanung zu sprechen. Sie müssen schon relativ lang vorher beginnen, sich Gedanken über die Gründung und ihren Ablauf zu machen, und dabei nicht nur Ihre Geschäftsidee ausarbeiten, sondern auch Ihren Businessplan erstellen und nötigenfalls auch Gespräche mit Banken führen oder eine fundierte Rechtsberatung einholen. Gleichzeitig müssen Sie sich überlegen, ob Sie tatsächlich über die entsprechende fachliche Qualifikation verfügen. Einige Jahre Berufserfahrung sind immer von Vorteil, und die dabei erworbene Lebenserfahrung wird Ihnen auch bei kommenden Stresssituationen helfen. Sie brauchen unternehmerische Eigenschaften, eine hohe körperliche und psychische Belastbarkeit und auch ausreichend familiäre Unterstützung. Eine Stärke des Buches ist es, auf Punkte hinzuweisen, die in der Euphorie der ersten Stunde möglicherweise vergessen werden, z. B. sich rechtzeitig um die Betreuung der eigenen Kinder zu kümmern und den Kontakt zu KindergärtnerInnen und LehrerInnen zu halten. Zum unternehmerischen Handeln gehört natürlich auch die entsprechende Selbstorganisation und ein Zeitmanagement, das auch Ruhepausen beinhaltet, sowie Selbstständigkeit und konsequentes Verhalten und wie Sie damit umgehen, wenn Sie nicht wissen, ob Sie von null bis 24 Uhr oder von 24 bis null Uhr arbeiten sollen.
Ganz wichtig bei der Gründung ist natürlich die Geschäftsidee. Sie sollte neu sein und auch überraschend, sie wird wahrscheinlich eher im Bereich der Dienstleistung als in der industriellen Produktion liegen, und die Zielgruppe sollte natürlich auch entsprechend groß sein. Überlegen Sie sich deshalb auch, wo Ihre eigenen Stärken liegen, ob Sie gut mit Menschen umgehen können, ob Sie gut am Computer sind oder eher nicht. Auch für diese Fragen gibt es wieder Checklisten.
Der Autorin weist besonders nachdrücklich darauf hin, dass es bei einer Geschäftsidee eher um das Angebot einer Problemlösung gehen sollte und dass Sie von Anfang an nicht als Billiganbieterin auftreten. Wenn Sie nämlich die Billigste am Markt sind, dann werden Sie auf Dauer höchstwahrscheinlich nicht davon leben können.
Ein bisschen problematisch scheint uns der Zugang der Autorin zum Thema Trendforschung und zur Entwicklung von Ideen, wenn sie z. B. die Überlegung anstellt, ob Sie als Webdesignerin arbeiten könnten und gleichzeitig Webspace vermieten. Warum? Webdesign und die Programmierung von Webseiten ist eines, die Installation und Bereitstellung eines umfangreichen IT-Apparats mit dem entsprechenden Personal – und das 24 Stunden täglich – ist entschieden etwas anderes.
Viele Anregungen aus der Trendforschung lassen sich wohl auch nur schwer umsetzen, weil dafür eine spezielle Ausbildung notwendig ist. „Trauma-Beratung“ zum Beispiel ist eine anspruchsvolle Aufgabe mit einer langen Vorbereitungszeit. Wenn die Autorin schreibt, dass man auch auf Fachmessen oder in Büchern von Trendforschern nützliche Informationen findet, darf man außerdem nicht vergessen, dass etwas bekanntlich schon „alt“ ist, wenn es in der Zeitung steht. Wie dem auch sei, entscheidend ist jedenfalls eine wirklich zündende und leicht zu kommunizierende Geschäftsidee.
Weiters sollten Sie sich genau überlegen, was Sie für Ihre Dienstleistung oder für Ihr Produkt verlangen können. Dabei hilft das Buch mit einem einfachen Rechenbeispiel, und Sie finden Kostenkalkulationen auch im Internet.
Ganz wichtig ist es von Anfang an, in Netzwerken zu arbeiten und als Existenzgründerin, trotz Stress, an Kursen oder Schulungen zum Thema teilzunehmen. Dort finden Sie KollegInnen und können Ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Eventuell könnten Sie für eine gewisse Zeit weiter in Ihrem alten Beruf arbeiten oder, falls Sie schon selbstständig sind, Kurse an Volkshochschulen oder ähnlichen Einrichtungen geben, um sich ein gewisses Grundeinkommen zu sichern. Immerhin gibt es auch Ärzte die neben ihrer Praxis an Pflegeschulen unterrichten.
Im Mittelteil des Buches werden dann die verschiedenen Kriterien für die erfolgreiche Gründung und den langfristigen Aufbau des eigenen Unternehmens aufgelistet, vom Marketing über die Wahl des Standorts, die Ermittlung des Finanzbedarfs und den Businessplan bis zum Umgang mit Banken und die Geldbeschaffung. Auch dafür gibt es wieder zahlreiche Checklisten und Tipps. Besonderes Augenmerk legt die Autorin hier auf Frauennetzwerke und auf die Wahl der passenden Rechtsform. Diese Fragen sind auch für österreichische Gründerinnen von Interesse, wenngleich das Schwergewicht auf den deutschen Gegebenheiten liegt. Naturgemäß werden Sie sich auch mit Steuern und Buchführung beschäftigen müssen. Wenn Ihnen das nicht liegt, müssen Sie sich entweder jemanden suchen, der das Ganze kostengünstig für Sie erledigt, oder sich ernsthaft überlegen, ob Sie sich wirklich selbstständig machen wollen.
Ganz vorzüglich ist die Anregung der Autorin, zwei Meilensteine nach der Gründung des Unternehmens zu setzen, nach den ersten hundert Tagen und nach dem ersten Jahr. Die ersten hundert Tage sieht die Autorin als gute Möglichkeit, etwaige Fehler zu beheben, über Ihre bisherigen Erfolge und Misserfolge zu reflektieren und aus Missständen sowohl im eigenen Unternehmen als auch in anderen Betrieben zu lernen. Ist es gelungen, sich an das Arbeiten im neuen Klima der Selbstständigkeit zu gewöhnen, Alltagsprobleme nicht mit dem Beruflichen zu vermischen und sich selbst immer wieder neu zu motivieren, aber auch die Zeitpunkte für Pausen zu erkennen?
Der zweite Meilenstein, den die Autorin beim ersten erfolgreich überstandenen Jahr ansetzt, unterscheidet sich nur wenig vom ersten: Es gilt, Fehler zu beheben, in jeder Hinsicht vorausschauend zu planen und – ganz wichtig – das Durchhaltevermögen zu stärken. Falls sich das Marktgeschehen verändert hat, was man auf längere Zeit genau im Auge behalten muss, oder sollte das Geschäft nicht so gehen, wie Sie es sich erhofft haben, rät die Autorin dazu, sich beraten zu lassen, und nennt auch Anlaufstellen dafür.
Zum Abschluss ergänzend ein paar Fragen aus der persönlichen Erfahrung des Rezensenten:
Was ist Ihre Geschäftsidee? Versuchen Sie, Ihre Idee Ihrer Mutter zu erklären. Versteht sie sie sofort oder erst nach einer halben Stunde? Wenn Letzteres zutrifft, dann überarbeiten Sie bitte noch einmal Ihre Idee und lasten es nicht Ihrer Mutter an.
Wie können Sie Ihre bisher erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten auf einem anderen Gebiet nutzen, können Ihnen Ihre Hobbys bei der Umsetzung einer neuen Idee helfen?
Haben Sie schon Berufserfahrungen und Praktika gemacht und können Sie irgendwie daran anknüpfen?
Können Sie vielleicht bei einem Projekt mit anderen zusammenarbeiten und dabei einmal testen, ob selbstständige Arbeit überhaupt etwas für Sie ist?
Sind Sie überhaupt eine „selbstständige“ Persönlichkeit? Es gibt Menschen, die mit ihrer geregelten Arbeit recht zufrieden sind und um 17 Uhr unbelastet nach Hause gehen. Und es gibt andere, die es mit vorgegebenen Aufgaben und Strukturen nicht aushalten und unbedingt etwas Eigenes schaffen müssen. Überlegen Sie sich bitte, was für Sie zutrifft.
Haben Sie die Möglichkeit, halbtags zu arbeiten und quasi nebenher Ihren eigenen Betrieb zu gründen?
Welche Zusatzausbildungen könnten Ihnen helfen?
Gibt es Seminare, die für Sie relevant sind? Es schadet eigentlich nie, Buchführung zu lernen und Businesspläne erstellen zu können.
Haben Sie ein festes Ziel? Worauf arbeiten Sie hin? Am besten setzen Sie sich ganz konkrete Ziele und stellen sich vor, wo Sie in zwei, fünf oder zehn Jahren sein möchten und wie Sie dorthin kommen.
Sind Sie auf Unvorhergesehenes vorbereitet?
Das Unvorhergesehene hat es an sich, dass man nicht weiß, womit man rechnen muss. Aber planen Sie auf jeden Fall ein, dass nicht alles nach Plan gehen wird. Sie können das Unvorhergesehene leichter bewältigen, wenn Sie sich darauf eingestellt haben, dass alles Mögliche passieren kann, und darum flexibler sind.
Denken Sie auch an Ihre Familie und Ihren Partner! Steht er oder sie hinter Ihnen, gibt es vielleicht einen kleinen finanziellen Polster oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung? Ein Hinweis bezüglich männlicher Partner: Selbst wenn es sich um ein Prachtstück handelt, das sich seine Socken selbst wäscht und sogar ab und zu Ihre Bluse bügelt, sollten Sie ihn einbinden und gießen, damit er sich nicht zurückgesetzt fühlt und welkt.
Bekommen Sie noch mit, was jenseits Ihres Arbeitsplatzes passiert?
Lernen Sie auf jeden Fall, sinnvoll mit dem Computer und mit den modernen Kommunikationsmitteln umzugehen, „lernen Sie Geschichte“, bilden Sie sich weiter, gehen Sie auch einmal in ein Konzert oder ins Kino, ruhig auch auf den Berg oder in die Dorfdisco. Pflegen Sie weiter Ihre Beziehungen und vergessen Sie nicht die Welt rund um Sie herum.
Haben Sie eine realistische Einstellung gegenüber den Problemen, die Ihnen begegnen können?
In vielen Männerdomänen, wie es auch die Naturwissenschaften leider noch immer sind, kann es durchaus vorkommen, dass ein Kunde – trotz Ihres abgeschlossenen Doktoratsstudiums und der entsprechenden Visitenkarte – nach dem Chef fragt. Werden Sie nicht gleich böse, wenn Sie fachlich qualifiziert, freundlich im Umgang mit Menschen und selbstbewusst im Auftreten sind, verfügen Sie über vorzügliche Argumente.
Wie viel Vertrauen ist gut in der Arbeitswelt?
Glauben Sie bitte nicht alles, was man Ihnen erzählt! Es ist durchaus möglich, dass diejenigen, die Ihnen einen guten Rat geben, Ihnen auch noch etwas verkaufen oder Sie in eine Richtung beeinflussen wollen. Seien Sie nicht zu vertrauensselig, wenn Sie mit PartnerInnen arbeiten. Halten Sie alles Wichtige schriftlich fest, geschäftliche Absprachen, Auftragsverteilung, Honorare, Arbeitszeiten usw. Man muss aber auch nicht krankhaft misstrauisch werden und überall nur Böses wittern, am besten, man bemüht sich um offene Verhältnisse.
Klare und für alle verbindliche Regeln erhalten die Freundschaft, auch in schwierigen Zeiten, und turbulent wird es auf alle Fälle.
Wenn Sie sich auf Ihren Neustart gut vorbereiten wollen, sind Sie mit dem Buch „Existenzgründung für Frauen“ von Barbara Eder sicher gut beraten. Leider haben wir im Internet die auf dem Buchumschlag angebotenen Zusatzinformationen nicht mehr gefunden. Zusätzliche Informationen zum Thema finden Sie aber auf jeden Fall im Internet oder bei den Handelskammern und Berufsverbänden.
Und ganz zum Schluss ein ganz privater Tipp: Gründen Sie lieber keinen tansanischen Geschenkshop, weil Sie einmal während des Studiums bei einer Exkursion in Tansania waren, oder einen Batikladen auch wenn Sie Farben aus nachwachsenden Rohstoffen verwenden wollen und Ihre beste Freundin diese Idee ganz toll findet.
Wolf Peterson (unter Mitarbeit von Gloria Hofmeister)
Barbara Eder
Existenzgründung für Frauen
Die Entscheidungshilfe für einen erfolgreichen Start
3. Auflage 2010
272 Seiten
EUR 9,95
ISBN 978-3-86910-762-2
Humboldt

"Sonnige Aussichten", Verzeichnis der Ausstellung auf der Buchmesse Frankfurt 2010
Auf der Frankfurter Buchmesse 2010 war eine von einem Redaktionsteam der Messeleitungzusammengestellte deutschsprache Buchkollektion zu „grüner“ Architektur und Stadtplanung zu sehen. Die ausgestellte Literatur über ökologisches Planen und Bauen ist jetzt auch in einer kleinen, feinen Broschüre mit dem Titel „Sonnige Aussichten. Grüne Architektur heute!“ beschrieben.
Nach dem Vorwort von Rolf Disch unter dem eindringlichen Motto des Architekten Lord Norman Foster „Solar architecture is not about fashion – it is about survival.“ ist in drei Teilen „Grüne Häuser – Green Buildings“, „Grüne Stadt – Green City“ und „Grüne Ökonomien – Green Economic Policies“ sehr viel Interessantes an neuer Literatur zum Thema zu finden: Auf deutsch und englisch sind Bücher über energiesparendes Bauen und sinnvolle Stadtplanung beschrieben, Bücher über erfolgreiche Projekte und gute Beispiele, über Kritik an energieverschlingenden Strukturen und politischen Sackgassen, über Analysen und Anregungen zur eigenen Beteiligung. Der weite Bogen reicht dabei von Industriedesign bis Guerilla-Gardening, von Plusenergiehäusern bis hin zu grundsätzlichen Verkehrsanalysen.
Eine ausgesprochen sinnvolle Idee der Buchmesse, aus der überwältigenden Bücherflut eine grüne Insel herauszuschöpfen und auch nach der Messe den InteressentInnen zur Verfügung zu stellen!
Wir verschenken je ein Exemplare der Broschüre an die ersten zehn EinsenderInnen, die sich bei uns melden! Einfach ein Mail an workshop (at) guthmann-peterson.de schicken und die Postanschrift nicht vergessen.
Wolf Peterson
PS: Ein kleiner Wermutstropfen: Obwohl die Broschüre brav auf „Papier aus verantwortungsvollen Quellen“ gedruckt ist, hätte man ohne Weiteres auf den ohnehin nur schwer lesbaren mehrfarbigen Druck verzichten können. Und ich bin mir sicher, dass die Prägung der deutschen Domain der Buchmesse auf der Rückseite kaum jemand bemerken wird. Prägungen erfordern aber die Anfertigung einer eigenen Prägeform aus Metall, einen zusätzlichen Produktionsvorgang …