Zum Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit gehört nicht nur das Erstellen von Texten, sondern auch das Arbeiten mit Abbildungen, Grafiken und Diagrammen. Dabei ist es nicht immer einfach, die richtige Farbkombination zu finden, die beim Druck der Arbeit dann auch so aussieht, wie sie auf dem Bildschirm gewirkt hat. Außerdem ist es oft schwierig, die Farben bzw. Farbkombinationen zu finden, die für das Auge des Lesers bzw. der Leserin auch angenehm sind und trotzdem die betreffende Grafik, die Abbildungen oder Diagramme wirkungsvoll und übersichtlich erscheinen lassen.
Damit Sie also schnell eine farbliche Ausgangslage für Ihre Abbildungen, Grafiken und Diagramme finden, wollen wir Ihnen im Folgenden ein paar Tipps geben:
Farben sind elektromagnetische Strahlungen, d. h. von einem Objekt reflektierte Lichtquellen, die auf unser Auge treffen und in unserem Gehirn eine Empfindung auslösen. Das Problem ist, dass Farbe keine feste physikalische Größe darstellen, d. h. das Farbempfinden ist subjektiv, angelernt und natürlich auch von der Situation, den herrschenden Lichtverhältnissen und unserer körperlichen Verfassung abhängig.
Farben können darüber hinaus auch Emotionen auslösen, z. B. steht Rot für Ärger, Wut oder Gefahr, kann aber auch mit Liebe und Vitalität in Verbindung gebracht werden. Deshalb sollte man nicht allzu viel Rot in einer wissenschaftlichen Arbeit verwenden, damit sie nicht an eine Karte zum St.-Valentins-Tag erinnert. Bei der Arbeit mit Farben ist es auf jeden Fall günstig, sich die Grundlagen der Farbgebung und Farbkombination zu vergegenwärtigen.
CMYK sind die Grundfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black bzw. Key. RGB (Red/Green/Blue) hingegen baut nur auf diesen drei Farben auf und ist die vorherrschende Methode der Farbmischung im angloamerikanischen Raum. Es ist vor allem am Anfang der allgemeinen Computernutzung zu zahlreichen Abstimmungsproblemen zwischen diesen beiden Farbsystemen gekommen. Außerdem werden zum Ausdrucken farbiger Seiten verschiedene Toner, Tinten und Druckfarben verwendet, weswegen die Farben dann auch unterschiedlich ausfallen.
Man muss dabei immer beachten, dass die Ausgabe der Farben auf verschiedenen Ausgabegeräten und Monitoren unterschiedlich erfolgt. Die Farben fallen von Monitor zu Monitor, aber auch von Laser- und Tintenstrahldruckern oder im Offsetdruck unterschiedlich aus. Wenn Sie also großen Wert auf eine genaue Farbwiedergabe legen, dann empfiehlt es sich, die Farben gemäß ihrer Zusammensetzung zu definieren und dabei von den Farbanteilen in Prozent auszugehen. Nennen Sie die Farbe also bitte nicht „Dottergelb“, sondern geben Sie an: C x % M x% Y x% K %. Einen wirklich großen Unterschied können Sie beobachten, wenn Sie z. B. Ihre Dissertation zuerst in einem Copyshop ausdrucken und die Bilder später in einer Zeitschrift im Offsetdruck reproduziert werden. Wir haben uns an die knallbunten Bilder auf Kopien schon so gewöhnt, dass wir die Feinheiten eines offsetgedruckten Bilds mit allen Nuancen und Rastern oft nicht mehr entsprechend wahrnehmen können.
Im CMYK-Farbraum genügen bereits die drei Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb, um eine unglaublich große Zahl anderer Farben daraus zu mischen. Deshalb werden sie als Primärfarben bezeichnet. Zwei Primärfarben übereinander gedruckt ergeben eine Sekundärfarbe, alle drei Farben übereinander gedruckt ergeben eine Tertiärfarbe. Die drei Grundfarben lassen sich allerdings nicht durch Mischen herstellen. Werden alle drei Farben übereinander gedruckt, ergeben sie theoretisch die Farbe Schwarz.
Helen Weber spricht in ihrem Handbuch vom „achromatischen“ Farbaufbau. Sie geht davon aus, dass im CMYK-Farbraum die drei Grundfarben eigentlich genügen würden, um daraus alle anderen Farben zu mischen. Das Schwarz würde man an und für sich gar nicht brauchen. Das Ergebnis wirkt dann allerdings ein bisschen matt, und die Abstufungen lassen sich auch nicht sehr gut darstellen, vor allem, wenn die Farben sich dem Grau nähern. Deshalb mischt sie lieber zwei Primärfarben mit Schwarz. Das ergibt in der Mehrzahl der Fälle schöne und klare Farben mit eindeutig unterscheidbaren Nuancen. Nehmen wir also an, Sie möchten die Farbe „grün“ definieren und haben sich aus einem Bild oder aus dem Internet die Zusammensetzung des Grüns notiert: C 88 % M 3 % Y 95 % K 45 %. Helen Weber würde daraus folgende Zusammsetzung für das Grün machen: C 100 % M 0 % Y 100 % K 40 %, man erspart sich also die Angaben für eine der drei Grundfarben.
Wie komme ich nun zu schönen Farben?
Grundsätzlich gibt es keine „richtigen“ oder „falschen“ Farben. Es gibt aber Farben, die sich für Ihren Zweck besser oder schlechter eignen, und Sie sollten sich deshalb überlegen, was Ihr Thema ist, welche Informationen Sie vermitteln wollen und welche Zielgruppe Sie ansprechen. Selbst dann, wenn Sie gerade schwer verliebt sind, ist die Verwendung von Rosarot und Babyblau bei einer wissenschaftlichen Arbeit nicht unbedingt üblich – außer in dem Fall, dass Sie über die Veränderung der Farbgebung bei Kinderwagen als Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung zu Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts schreiben. Oder wenn in einer botanischen Arbeit diese beiden Farben die charakteristischen Reifestadien von Blütenständen einer Pflanze repräsentieren. Sie sehen also, die „richtigen“ Farben hängen nicht zuletzt vom Inhalt Ihrer Arbeit ab. Falls es auf Ihrem Institut bestimmte „Hausfarben“ gibt, ist es natürlich auch nicht schlecht, diese zu berücksichtigen.
Außerdem gilt: Weniger ist mehr! Entwerfen Sie lieber nicht für jede Tabelle oder jedes Tortendiagramm eine eigene Farbwelt. Auch wenn es am Anfang langweilig erscheinen mag, behalten Sie in Ihrer gesamten Arbeit für bestimmte Prozentsätze z. B. immer die gleiche Farbe bei, Gelb für 10 %, Grün für 20 % usw. Dann können Ihre LeserInnen mit einem Blick erfassen, was Sie sagen wollen.
Denken Sie bitte auch daran, dass es Menschen gibt, die Farben entweder nur schwer oder gar nicht unterscheiden können. Sie können deshalb bei Diagrammen auch ganz auf den Einsatz von Farben verzichten und verschiedene Arten von Linien verwenden: mit kurzen und langen Strichen, mit Punkten in kleinem oder großem Abstand, Linien aus Strichen und Punkten, fette oder magere …
Im Idealfall berücksichtigen Sie auch, wofür Sie schreiben: Sind die Grafiken für Ihre Dissertation, die Sie in einem Copyshop ausdrucken lassen oder für einen Artikel in einem bunten Farbmagazin? Erkundigen Sie sich am besten vorher, ob einfarbig oder mehrfarbig oder mit Schmuckfarben gedruckt wird. Letzteres ist relativ teuer, weshalb es immer gut ist, alle Farben im Dokument in CMYK anzugeben und keine Schmuckfarben zu verwenden. Sie kommen damit dem Medium sehr entgegen.
Oder erstellen Sie eine Powerpoint-Präsentation? Dann vergessen Sie bitte nicht, dass die ZuseherInnen in den ersten Reihen sehr nahe an der Projektionstafel sitzen und von knallbunten Darstellungen geradezu überwältigt werden, während die ZuhörerInnen weiter hinten die feineren Unterschiede gar nicht mitbekommen. Deshalb ist es bei Präsentationen besonders wichtig, auf richtige Kontraste und die Unterscheidbarkeit der Farben zu achten, ohne die ZuschauerInnen zu blenden.
Neben der Wahl der richtigen Farben und ihrem angemessenen Einsatz spielt natürlich auch die Auflösung des Dokuments und die korrekte Erstellung der Druckdatei eine Rolle. Um beim Gelb zu bleiben: Das schönste Gelb verliert seine Wirkung, wenn es im PDF blass ausgegeben und im Druck „wolkig“ wird, weil der Toner die Farbpartikel auf der Fläche nicht genügend stark auftragen kann oder die Linie „ausreißt“. Es ist deshalb immer gut, einen oder mehrere Musterdrucke zu machen, um zu sehen, ob die Farben in der von Ihnen gewünschten Art und Weise wiedergegeben werden.
Redaktion “Wissenschaftliches schreiben
Dieser Artikel basiert in wesentlichen Zügen auf Helen Webers „Handbuch Farbkomposition“, Heidelberg (mitp) 2008. Sie versteht ihr „Handbuch Farbkombination“ als eine Art Kochbuch, in dem sie, ausgehend von ihrem selbst entwickelten Farbkreis mit 24 Farben, die wichtigsten Punkte zum Umgang mit Farben, Kontrasten und dem Farbkreis erklärt. Ihr wesentliches Anliegen ist es, Tertiärfarben mit nur zwei Grundfarben aufzubauen und mit Schwarz anstelle der Komplementärfarben abzudunkeln.
Das Buch ist leider vergriffen und wird laut Verlag auch nicht wieder aufgelegt. In gut sortierten Bibliotheken ist es aber zu finden. Neben den grundlegenden Informationen bietet es zahlreiche Farbtabellen und Farbkombinationen und ist überaus lesenswert.
