Bei „Erfolgreich promovieren“ von Steffen Stock, Patricia Schneider, Elisabeth Peper und Eva Molitor handelt es sich um einen Ratgeber, der umfassend helfen soll, die Arbeit an der Dissertation effektiver zu gestalten. Das Buch richtet sich dabei bewusst an Promovierende aller Disziplinen.
Der erste Teil beschäftigt sich mit der Frage „Promovieren – ja oder nein?“. Hier werden die Vorteile und erfreulichen Auswirkungen einer Promotion dargestellt, aber auch die Nachteile nicht verschwiegen. Weiters geben die AutorInnen einen kurzen Überblick über die unterschiedlichen Doktortitel und führen Checklisten an, mit deren Hilfe die LeserInnen ihre Promotionsbereitschaft überprüfen können und sehen, welche persönlichen Gründe für ein Promotionsvorhaben eine Rolle spielen.
Rahmenbedingungen der Promotionsphase
Im zweiten Teil geht es um die konkreten Rahmenbedingungen der Promotionsphase. Neben den hochschulpolitischen Rahmenbedingungen und dem persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld werden in diesem Teil auch die Themen- und die BetreuerInnensuche besprochen. Außerdem werden die finanziellen Rahmenbedingungen sowie die unterschiedlichen Finanzierungsformen, Steuerfragen und die Wahl der Krankenversicherung behandelt. Interessant ist hier vor allem die genaue Erklärung, was eine kumulative Dissertation, d. h. eine Sammeldissertation, ist und wie ihre Vor- und Nachteile einzuschätzen sind.
Die Tipps zur Themen- und BetreuerInnensuche sind eher oberflächlich ausgefallen und bieten eingelesenen Studierenden nichts wirklich Neues. Die anschließenden Erfahrungsberichte von BetreuerInnen geben allerdings interessante Einblicke in die Gründe, warum manche BetreuerInnen bestimmte Vorgaben für eine Dissertation verlangen und andere nicht.
Hilfreich ist auch der Tipp, dass mit den BetreuerInnen Promotionsvereinbarungen getroffen werden sollten. Vor allem die Punkte, was bei einer Promotionsvereinbarung berücksichtigt werden sollte, sind sehr brauchbar. Das Kapitel über die Finanzierungsformen ist ebenfalls recht empfehlenswert, denn wie es so schön heißt: „Ohne Moos nix los!“
Der dritte Teil beschäftigt sich dann mit der Planung und Organisation der Dissertation. Unter anderem stellen die AutorInnen Hilfsmittel wie Projekt- und Zeitmanagement vor. Beim Projektmanagement werden die drei wichtigsten Ziele, Aufwand, Dauer und Qualität, zwar erklärt, auch warum gerade sie so wichtig sind, es fehlen aber leider Vorschläge bzw. Ratschläge, wie diese Ziele am besten erreicht werden können.
Recht nützlich hingegen ist die Checkliste „Zeitfresseranalyse“. Hier werden die eigenen Zeitaufwendungen für bestimmte Bereiche analysiert und anschließend ein Zeitplan aufgestellt.
Im Kapitel „Textverarbeitungsprogramme“ werden verschiedene Textprogramme wie Word und StarOffice vorgestellt, mit denen sich eine Dissertation am besten schreiben lässt. Leider wird kaum auf die Vor- und Nachteile der jeweiligen Programme eingegangen. Unserer Ansicht nach wird auch zu wenig darauf hingewiesen, dass zum Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit nicht nur Textverarbeitungsprogramme notwendig sind, sondern auch einige Zusatzprogramme, wie Excel aus dem Microsoft Office-Paket oder die entsprechenden Pendants aus der OpenOffice-Familie.
Schreibprozesse, Krisenbewältigung, Abschluss der Promotion
Im vierten Teil „Schreibprozesse“ geben die AutorInnen unter anderem Tipps zu den unterschiedlichen Schreibtechniken, erklären einige Zitierregeln und versuchen, bei Schreibhemmungen und -blockaden zu helfen. Leider geben sie aber im Kapitel über die wichtigsten Zitierregeln wirklich nur einen sehr groben Überblick. Die meisten Erklärungen sind etwas umständlich und werden leider auch nicht durch Beispiele vereinfacht. Nützlich sind jedoch wieder die Checklisten im Kapitel „Textüberarbeitung“. Sie helfen, den Überblick bei der Textkorrektur, beim Textaufbau und beim Layout zu bewahren.
Im fünften Teil „Krisenbewältigung“ werden die verschiedenen Ausprägungen möglicher Krisen – von Motivationsschwierigkeiten über Stress, Ängste und Mobbing bis hin zu gesundheitlichen Problemen – beschrieben sowie Strategien und Taktiken zu ihrer Bewältigung vorgestellt. So begrüßenswert es ist, dass hier die verschiedensten Bereiche angesprochen werden, wirkt manches doch fast betulich und selbstverständlich und ließe sich leicht zusammenfassen: Wenn Sie unter Angstattacken leiden, nehmen Sie psychologische Hilfe in Anspruch, wenn Sie von Ihrem Betreuer oder Ihrer Betreuerin gemobbt werden, suchen Sie sich lieber einen neuen Betreuer bzw. eine neue Betreuerin, und wenn Sie beim Lesen viel benutzter Bücher vom sogenannten bacillus excipiendi attackiert werden und empfindlich darauf reagieren, lassen Sie sich impfen!
„Abschluss der Promotion“ heißt der sechste Teil, darin geben die AutorInnen Hinweise für den Endspurt vor der Abgabe und die letzten Hindernisse bzw. wie sie vermieden oder bewältigt werden können. Hier gefallen uns vor allem die Tipps zur Vorbereitung einer mündlichen Prüfung. Anschließend kommen Informationen zur Veröffentlichung einer Dissertation, hier finden sich Erläuterungen zur Druckfreigabe, zu verschiedenen Möglichkeiten der Veröffentlichung, zu Druck und Layout sowie zu Förderungsmöglichkeiten. Recht gut ist dabei das Kapitel über elektronische Veröffentlichung, aber auch das Kapitel „Ausblick“ ist sehr empfehlenswert. Darin geht es um die anschließende Qualifizierungsphase, z. B. für eine Professur.
Der siebte Teil ist für all jene gedacht, die unter besonders schwierigen Voraussetzungen promovieren wollen. Wie geht man/frau am besten vor, wenn man/frau im Ausland oder mit einem ausländischen Abschluss promovieren möchte, schon etwas älter ist oder an einer Behinderung leidet? Dazu sind vor allem die Erfahrungsberichte jeweils am Ende eines Kapitels interessant und sicher auch motivierend.
Weitere Erfahrungsberichte kommen noch im achten Teil des Buchs. Es sind wohl gerade diese Berichte, die von fast 90 AkademikerInnen aus fast allen wissenschaftlichen Disziplinen stammen, die „Erfolgreich promovieren“ zu einem lesenswerten Ratgeber machen. Die Berichte schildern ihre ganz unterschiedlichen persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen beim Schreiben ihrer Dissertation. Sie berichten von ihren Schreibblockaden, von unvorhergesehenen Hindernissen, Motivationsschwierigkeiten und Bewältigungsstrategien. Besonders schön haben wir den Tipp zweier Geowissenschafterinnen gefunden, die sich beim Schreiben ihrer Arbeit auch mit anderen Fachleuten ausgetauscht, Vorträge von GastrednerInnen besucht und deren großes Wissen gleich mit in ihre Arbeit einfließen lassen haben.
Im Großen und Ganzen
Das Buch ist insgesamt gut strukturiert und eingängig geschrieben. Es motiviert und geht hilfreich auf die Höhen und Tiefen in der Promotionsphase ein. Gut gefallen haben uns auch die weiterführenden Literaturtipps, die jedes Kapitel gut gekennzeichnet ergänzen, und die Bastelanleitung für einen Doktorhut im Anhang.
Allerdings muss angemerkt werden, dass manche Kapitel, wie z. B. „Krisenbewältigung“ und „Finanzierungsformen“, sicher gut gemeint und auch hilfreich sind, aber doch recht ausführlich ausfallen. Auch ein etwas übersichtlicheres Layout hätte nicht geschadet, das auf die weniger aussagekräftigen Abbildungen verzichtet und lieber mehr Überblick bietet.
Redaktion “Wissenschaftliches Schreiben”
Steffen Stock, Patricia Schneider, Elisabeth Peper, Eva Molitor
Erfolgreich promovieren
Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende (Taschenbuch)
€ 24,95
374 Seiten, Broschur
ISBN 978-3540887669
Springer, Berlin, 2009
