„Erfolgreich bei Studienarbeiten, Referaten und Prüfungen“ von Steffen Stock, Patricia Schneider, Elisabeth Peper und Eva Molitor ist ein fächerübergreifender Ratgeber sowohl für StudienanfängerInnen als auch für Studierende in fortgeschrittenen Semestern.
Das Buch beginnt ungewohnterweise mit dem Teil „Lesen im Studium“. Hier lernt der Leser oder die Leserin die verschiedenen Lesemethoden kennen, das Arbeiten mit Texten, das Markieren und Exzerpieren. Vor allem die Sechs-Schritt-Methode PQ4R (Preview = Übersicht über den Abschnitt gewinnen, Questions = Fragen an den Text formulieren, Read = genau lesen, Reflect = über den gelesenen Inhalt nachdenken, Recite = das Gelesene wiederholen und notieren, Review = die Aufzeichnungen überprüfen) erweist sich dabei als hilfreicher Tipp. Allerdings ist das Kapitel relativ kurz gehalten.
Typen von Leistungsnachweisen, Bewertungskriterien, Prüfungsangst
Im zweiten Teil des Buchs erfahren die LeserInnen, wie man/frau sich auf die unterschiedlichen Anforderungen von Studienarbeiten und Prüfungen vorbereiten kann. Zuerst gehen die AutorInnen auf die unterschiedlichen Typen von Leistungsnachweisen ein. Hilfreich sind hier vor allem die Tipps im Kapitel „Referat und Präsentation“ und „Mündliche Prüfungen“. Prägnant und aussagekräftig werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst, auf die man/frau beim Präsentieren einer Arbeit oder bei einer mündlichen Prüfung achten sollte. Weniger aufschlussreich sind allerdings die Ratschläge im Kapitel „Klausur“ ausgefallen. Dass davon abzuraten ist, bei Prüfungen zu schummeln, ist wohl allen klar. Und diejenigen, die es trotzdem tun, sollten sich dabei wenigstens nicht erwischen lassen.
Danach beschäftigen sich die AutorInnen mit den grundlegenden Bewertungskriterien einer Leistung und zeigen, welche Ansprüche die PrüferInnen im Allgemeinen an die Studierenden stellen. Im Kapitel „Vorbereitungen auf Leistungsnachweise und Prüfungen“ wird erklärt, wie man/frau sich allein oder in der Gruppe gezielt auf Prüfungen vorbereitet und was sich gegen Prüfungsangst unternehmen lässt. Nützlich sind hier vor allem die angebotenen Faustregeln für eine gute Mitschrift. Interessant, aber weniger neu sind die Tipps zum richtigen Lernen, und die Ratschläge gegen Prüfungsangst und Lampenfieber fallen in den Bereich „Klassiker“.
Phasen des wissenschaftlichen Schreibens
Der dritte Teil „Schreiben im Studium: Von der Seminararbeit zur Abschlussarbeit“ beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Hilfsmitteln für die verschiedenen Phasen des wissenschaftlichen Schreibens. Besonders hilfreich sind die Hinweise auf die sogenannten „Schreibstimuli“ im Kapitel „Kreative Schreibtechniken“, die helfen sollen, wenn man/frau Schwierigkeiten hat, sich auf ein Thema einzulassen.
Recht gut sind auch die Fragen im Kapitel „Internet als Informationsquelle“, die man/frau sich immer stellen sollte, wenn man/frau Quellen aus dem Internet verwendet.
Das Kapitel „Gliederung“ ist zwar nicht uninteressant, aber doch etwas oberflächlich angelegt. Denn dass eine Arbeit in Einleitung, Hauptteil und Schlussteil gegliedert werden muss, ist wohl schon vor der Lektüre jedem klar. Während es sicher weiterhilft, etwas über die verschiedenen Gliederungstypen zu erfahren, wird leider erst im Kapitel „Textkörper“ erklärt, was eine Einleitung, ein Hauptteil und ein Schlussteil beinhalten sollen.
Dafür sind die Tipps im Kapitel „Formalia“ recht praktisch: Die LeserInnen erfahren dort, welche Normen beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit beachtet werden müssen. Die Erklärungen sind anschaulich mit Beispielen ausgestattet.
Das Kapitel „Sprache und Stil“ beschäftigt sich damit, welche Formulierungen beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit vermieden werden sollten. Auch hier werden die Erklärungen mit vielen Beispielen zum besseren Verständnis unterstützt.
In den „Grundregeln des Zitierens“ erfahren die LeserInnen sehr viel über das richtige Zitieren. Besonders erwähnenswert ist hier die Erklärung, wie Abbildungen ordentlich zitiert werden.
Das Kapitel „Fußnoten“ ist grundsätzlich nicht schlecht, da aber in naturwissenschaftlichen Arbeiten ohnehin keine Fußnoten verwendet werden sollen, für uns nicht weiter von Belang.
Weiters erklären die AutorInnen, wie ein Literaturverzeichnis auszusehen hat und was Tabellen und Abbildungen zu beinhalten haben, allerdings nicht, wie man/frau sie erstellt.
Im Kapitel „Textüberarbeitung“ bieten die AutorInnen einige durchaus hilfreiche Checklisten an, mit deren Hilfe sich besser der Überblick bewahren lässt, worauf bei der Überarbeitung einer wissenschaftlichen Arbeit geachtet werden sollte.
Die Tipps zum Überwinden von Schreibhemmungen und Blockaden sind – wie gehabt – nützlich, wenn auch nicht neu.
Die technische Seite
Der vierte Teil beschäftigt sich vor allem mit der technischen Seite des Schreibens einer Arbeit. Dabei gehen die AutorInnen vor allem auf die Literaturrecherche und den Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen, Layout und Datensicherung ein.
Gut ist hier vor allem das Kapitel „Textverarbeitungsprogramme“, in dem die AutorInnen die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Textverarbeitungsprogramme, unter anderem Word, OpenOffice, Latex und iWorkPages, beschreiben. Besonders gelungen ist die Tabelle 19 im Unterkapitel „Vergleich der Textverarbeitungsprogramme“, wo die verschiedenen Programme übersichtlich miteinander verglichen und bewertet werden.
Die Erklärungen zum Layout sind jedoch eher ungenau ausgefallen. Hier fehlen präzise Anleitungen, wie etwas gestaltet werden kann und warum es sich so empfiehlt.
Der fünfte Teil besteht aus Erfahrungsberichten von BetreuerInnen aus den verschiedenen Disziplinen, die auf die Studierenden sicher beruhigend wirken. Es ist immer schön, daran erinnert zu werden, dass viele Menschen in dieser Lebens- und Arbeitsphase von denselben Problemen geplagt werden und sie sich höchstwahrscheinlich bewältigen lassen.
„Erfolg bei Studienarbeiten, Referaten und Prüfungen“ bietet auf jeden Fall eine Fülle hilfreicher Tipps und Tricks, unter anderem den Hinweis, dass es sinnvoll ist, möglichst viel Literatur zu lesen, bevor der Niederschrift der Arbeit begonnen wird. Aufschlussreich ist sicher auch der Zeitplan, den die AutorInnen vorstellen. Dabei regen sie an, nicht einen allgemein gehaltenen Plan zu entwerfen, sondern zu versuchen, den Zeitplan konkret in Stunden zu fassen.
Im Kapitel „Empirie“ geben die AutorInnen auch einen allgemeinen Überblick über die gängigen Auswertungsmethoden und ihre Durchführung – lesenswert, aber für Studierende der Naturwissenschaften zu ungenau.
Schlussbemerkung
Im Großen und Ganzen ist das Buch sicher ein hilfreicher und sinnvoll aufgebauter Ratgeber, der gute, manchmal überraschende Tipps und interessante Beispiele bietet und beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit durchaus weiterhelfen kann. Allerdings geben die AutorInnen eher einen groben Überblick zu den einzelnen Themen und gehen selten ins Detail.
Redaktion “Wissenschaftliches Schreiben”
Steffen Stock, Patricia Schneider, Elisabeth Peper und Eva Molitor
Erfolg bei Studienarbeiten, Referaten und Prüfungen
207 Seiten, Broschur
€ 16,95
ISBN: 978-3540888154
Springer, Berlin, Jänner 2009

0 Antworten bis jetzt ↓
Es gibt keine Kommentare bis jetzt...Trete Sachen weg, die vom Formular runterfallen.
Du musst eingeloggt sein um ein Kommentar zu schreiben.