Manuel René Theisen hat mit „Wissenschaftliches Arbeiten“ eine umfassende und gründliche Anleitung für die Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten zusammengestellt. Er behandelt darin die verschiedensten Problembereiche, von Hausarbeiten oder Klausuren über Seminar- und Diplomarbeiten bis hin zur Dissertationen und Habilitationsschriften. Dabei gründen die Ratschläge zur Arbeitsorganisation und zur Gestaltung schriftlicher Arbeiten auf den Erfahrungen aus der langjährigen Praxis des Autors, der als Inhaber eines Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Steuerrecht mehrere Monographien, zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und über 300 Buchbesprechungen veröffentlicht hat. Aus diesem Grund sind die Beispiele und Übungen in diesem Buch wohl auch hauptsächlich auf Studierende der Wirtschaftswissenschaften zugeschnitten.
Planung einer wissenschaftlichen Arbeit
„Wissenschaftliches Arbeiten“ beginnt bei der Planung einer wissenschaftlichen Arbeit. Dabei behandelt der Autor vor allem die Projekt-, Kosten-, Steuer-, Zeit- und Terminplanung. Hier geht der Autor zwar auf die Gründe ein, warum eine Kosten- und Steuerplanung wichtig ist, jedoch nicht, wie diese erfolgen sollte. Ausführlicher sind seine Erklärungen zur Zeit- und Terminplanung, mithilfe der Netzplantechnik erklärt er genau, wie man/frau einen Struktur- und Zeitplan entwerfen kann, zusätzlich wird anhand einer Bachelorarbeit ein Musterbeispiel für eine gute Arbeitsplanung vorgestellt.
Das Kapitel „Vorbereitungen“ beschäftigt sich mit allen Maßnahmen, die einen technischen, aber noch keinen inhaltlichen Bezug zum geplanten Projekt haben. Das sind unter anderem der Arbeitsplatz, die Arbeitsmittel, Arbeitstechnik und Arbeitsorganisation. Dabei werden die Vor- und Nachteile erläutert, mit denen man/frau rechnen muss, wenn man/frau eine wissenschaftliche Arbeit in der Bibliothek, einem Seminarraum/PC-Labor oder in der eigenen Wohnung schreibt.
Recht nutzbringend sind auch die Hinweise, worauf bei der Benutzung eines bestimmten Textprogramms geachtet werden sollte. Leider fehlt aber der Vergleich unterschiedlicher Textverarbeitungsprogramme.
In „Materialübersicht und Themenabgrenzung“ wird gezeigt, wie effizient Material für das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit gesucht werden kann. Dazu werden beispielsweise unterschiedliche Nachschlagewerke aufgezählt und erklärt, was es mit ihnen auf sich hat. Weiters werden die verschiedenen Katalogsysteme und Bibliographiekategorien unterschieden und erläutert, wie sie optimal verwendet werden. Besonders gut ist der Tipp, Informationen oder Anregungen auch aus Jahrbüchern, Fachzeitschriften und Zeitungen bzw. Magazinen zu beziehen oder zur Erweiterung der Literaturbasis die Literaturverzeichnisse in den von den DozentInnen bzw. PrüferInnen empfohlenen Büchern und Aufsätzen zu nutzen. Im Kapitel über „elektronische Informationsformen“ sind vor allem die Beispiele für Metasuchmaschinen und Suchmaschinen mit integrierten Webkatalogen interessant.
Materialauswahl, -bewertung und Manuskript
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Materialauswahl. Hier wird zwischen Materialbewertung und Materialbeschaffung unterschieden. Sehr instruktiv sind vor allem die Ratschläge zur Materialbewertung. Eine weitere nützliche Hilfe sind die Prüfschemen für Bücher und Aufsätze, mit denen Informationen und Textteile nach bestimmten Kriterien systematisch durchgegangen werden.
Im Kapitel „Materialauswertung“ geht es unter anderem um die unterschiedlichen Gliederungsmöglichkeiten sowie um verschiedene Möglichkeiten, angesammelte Daten zu verwalten und die Materialien abzulegen. Besonders hilfreich ist der Tipp, eine Verfasserdatei anzulegen. Dabei sollte jeder Titel, der einem bei der Materialsuche nützlich erscheint, sofort vollständig bibliographisch erfasst und beispielsweise in eine Excel-Tabelle eingetragen werden. Sehr gut ist auch der Hinweis, Exzerpte gleich anzulegen, da sie viel Arbeit und Zeit ersparen.
Im Kapitel „Manuskript“ steht der Text einer wissenschaftlichen Arbeit im Mittelpunkt. Der Autor erklärt hier den strukturellen Aufbau einer Arbeit und gibt auch Tipps für einen lesbaren Stil. Hier ist besonders die Auflistung einiger häufiger „stilistischer Stolpersteine“ interessant.
Aufschlussreich sind auch die Erklärungen zu den Zitierregeln und die Beispiele für die einzelnen Zitiermöglichkeiten. Besonders gut gefallen uns die Hinweise und Erklärungen zur Darstellung von Tabellen, Bildern und Diagrammen.
Im Kapitel „Ergebnisgestaltung und Typoskript“ wird erklärt, wie Überschriften auszusehen haben und wie mit Einzügen umgegangen werden sollte. Außerdem wird erläutert, wo die Seitennummerierung beginnen soll und welche Seiten wie nummeriert werden. Weiters finden sich Tipps zur Gestaltung des Titelblatts und Hinweise darauf, welche Verzeichnisse es gibt, welche vor dem Text und welche hinter dem Text stehen und wie die einzelnen Verzeichnisse grundsätzlich ausschauen sollen. Recht fein sind auch die Hinweise zu Vor- und Nachtexten. Darin wird präzise erklärt, welche Vor- und Nachtexte es überhaupt gibt und was darin stehen soll.
Im Kapitel „Druck und Veröffentlichung“ schreibt der Autor über Vervielfältigung, verschiedene Druckvarianten und wie die Korrektur einer wissenschaftlichen Arbeit durchgeführt wird. Anschließend, im Kapitel „Präsentation und Beurteilung“, geht es nicht nur um die richtige Präsentation, sondern es finden sich auch Beispiele für Kriterien, nach denen eine wissenschaftliche Arbeit beurteilt wird.
Ausgesprochen interessant ist auch das Kapitel „Fälschung, Verfälschung und Betrug“, in dem erläutert wird, welche Hilfestellungen und Unterstützungen beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit zulässig sind und was darüber hinausgeht.
Praxisbezogen, umfangreich
„Wissenschaftliches Arbeiten“ enthält auf jeden Fall eine Reihe guter, praxisbezogener Tipps und Anregungen. Umfassende Beispiele ermöglichen den LeserInnen einen schnellen Einstieg. Man/frau sollte dieses Buch allerdings in Ruhe vor dem Beginn des Projekts durchlesen. Wenn das nicht geht, ist es zwar möglich, schon nach Kapitel I bis III mit der Arbeit zu beginnen und die weiteren Kapitel je nach Arbeitsfortschritt durchzuschauen, aber wegen der Zusammenhänge mit den anderen Kapiteln und den zahlreichen Querverweisen ist dies nicht wirklich zu empfehlen.
Wie schon am Anfang erwähnt, ist nicht jedes Kapitel unbedingt fächerübergreifend anwendbar. Dies zeigt nicht nur das Kapitel über Fußnoten und die Art, wie sie durchgehend im Buch selbst verwendet werden, sondern beispielsweise auch das Kapitel „Materialbeschaffung“, das mit seinen Beispielen und Erklärungen vor allem für StudentInnen der Wirtschaftswissenschaften geeignet ist.
Der Autor hat den Anspruch, dass jede Seite seines Buchs auch als Muster bzw. Vorlage für eine neue wissenschaftliche Arbeit dienen kann, und die Texte im Buch sollen Anregungen geben, wie diese formal und inhaltlich aussehen könnte. Aber etliche Tippfehler und hin und wieder auch fehlerhafte Verweise in den Fußnoten untergraben diese Beispielswirkung dann doch ein wenig.
Bedauerlicherweise hält der Autor auch nicht viel von „Zweigeschlechtlichkeit“. Er findet, dass Satzbau und Wortwahl in einer wissenschaftlichen Arbeit vorrangig knapp und präzise sein sollen und zweigeschlechtliche Begriffe und Neutralisierungen (z. B. man/frau) wenig mit Gleichberechtigung zu tun haben und deshalb verzichtbar sind. Wir können uns dieser Auffassung allerdings nicht anschließen, nicht zuletzt deshalb, weil von vielen Universitäten „Zweigeschlechtlichkeit“ in Texten mittlerweile sogar verlangt wird.
Das soll aber nicht heißen, dass das Buch nicht lesenswert wäre, viele Ratschläge sind durchaus zu empfehlen: etwa der Tipp, dass bei der Verwendung eines PCs oder Laptops vorher ihre Verfügbarkeit und die Kenntnis ihrer Bedienung sichergestellt sein sollen. Die für die notwendigen Programme erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten sollten dabei selbstkritisch beurteilt werden. Wenn Sie also beispielsweise eine Tabelle erstellen wollen und nicht genau wissen, wie das funktioniert, ist es sehr zielführend und zeitsparend, sich ein Buch über die Anwendungsmöglichkeiten von Word oder Excel zu besorgen, es zu lesen und erst danach die Tabelle anzufertigen.
Fazit
Im Gesamten gesehen ist „Wissenschaftliches Arbeiten“ ein durchaus hilfreicher Ratgeber, der praktische Kenntnisse zum wissenschaftlichen Arbeitsprozess vermittelt. Vorausgesetzt allerdings, dass sich die LeserInnen nicht an dem sehr selbstbewussten Stil des Autors stoßen.
Die Zusammenstellung der relevanten Nachschlagewerke, Bibliographien und Dokumentationsdienste ist eine echte Fundgrube, und die Fülle von Ratschlägen und Tipps ist für Studienanfänger wie auch für Studierende in fortgeschrittenen Semestern geeignet, vielleicht nicht immer für Studierende aus den Naturwissenschaften.
Redaktion “Wissenschaftliches Schreiben”
Manuel René Theisen
Wissenschaftliches Arbeiten
300 Seiten, Broschur
€ 13,00
ISBN 978-3800628643
Vahlen, München, 2008
