„Von der Idee zum Text“ gibt Hilfestellung beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit.
Das Buch zeigt nur wenige formale Vorschriften. Die Autorin erklärt das damit, dass in den verschiedenen Disziplinen recht unterschiedliche formale Anforderungen gelten und die LeserInnen besser beraten sind, wenn sie im Dekanat oder Institut ihrer Hochschule nach einem entsprechenden Merkblatt fragen. Deshalb findet man/frau in Esselborn-Krumbiegels Ratgeber nur solche formalen Hinweise, die fächerübergreifend gelten.
Da die Autorin Tipps zum Schreiben einer Seminararbeit, als auch zum Schreiben einer Abschlussarbeit (z. B.: Dissertation) gibt, ist dieses Buch sowohl für Studienanfänger als auch für Schreibende einer Dissertation geeignet.
Phasen einer wissenschaftlichen Arbeit
Das Buch beginnt bei der Arbeits- und Zeitplanung einer wissenschaftlichen Arbeit. Dabei gliedert die Autorin das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit in verschiedene Phasen: Orientierung, Recherche/Untersuchungen, Strukturieren, Rohfassung, Überarbeiten. Die Autorin geht bei ihren Ratschlägen etappenweise vor, so dass für die LeserInnen immer klar nachvollziehbar ist, was die Autorin meint und worauf sie hinaus will. Gut sind vor allem die Übungen, die sie dabei vorschlägt, die zwar einfach und ohne viel technischem Aufwand durchzuführen sind, jedoch manchmal sehr viel Zeit in Anspruch nehmen (z. B.: eine Woche lang ein Zeittagebuch führen).
In dem Kapitel „Von der Idee zur Fragestellung“ versucht die Autorin zunächst einen Überblick über die verschiedenen kreativen Ideenfindungs-Methoden zu schaffen. Anschließend leistet sie Hilfestellung beim Eingrenzen, Ausloten und Überprüfen eines Themas. Vor allem der Strukturbaum ist eine sehr gute Methode, wenn man/frau sich sozusagen „festgefahren“ hat und beim Schreiben nicht mehr weiterkommt.
Interessant ist auch das Analogierad, das die Autorin einsetzt, um Verbindungen zwischen bekannten Ideen zu schaffen, bzw. der Themenfächer, um ein Thema präzise einzugrenzen.
Das Cluster – bzw. die Brainstorming-Methode hilft um eine Vielzahl Ideen zum ausgewählten Thema zu finden. Doch man/frau sollte vorsichtig sein bei der Ideensuche, damit man/frau sich nicht verirrt. Auch wenn man/frau bei dieser Methode seiner Kreativität und seinem Einfallsreichtum freien Lauf lassen kann, sollte man/frau dennoch im Hinterkopf behalten, was wirklich wichtig für das ausgewählte Thema ist, was der Betreuer bzw. die Betreuerin fordert, welche Ideen sich durchführen lassen und wieviel Zeit zur Verfügung steht, um die einzelnen Ideen umzusetzen. Ebenfalls hilfreich sind die sieben W-Fragen, mit deren Hilfe man/frau das Thema noch einmal von unterschiedlichen Seiten beleuchten kann.
„Der Weg durch den Forschungsdschungel“ ist der Teil, in dem sich die Autorin vor allem mit der Recherche und dem Zitieren beschäftigt. Dabei schreibt sie jedoch nichts über die richtige Zitierweise und davon welche verschiedenen Zitierweisen es gibt. Vielmehr erklärt sie, wie ein wörtliches bzw. sinngemäßes Zitat im Text auszusehen hat. Wer also Hilfe beim richtigen Zitieren sucht, sollte sich lieber Tipps am eigenen Institut holen, spezielle Literatur dazu lesen oder entsprechende Lehrveranstaltungen besuchen. Auch manche zusätzlichen Erläuterungen und Beispiele, wie zum Beispiel das Waage-Modell, empfinden wir als etwas zu detailverliebt.
Erwähnenswert sind die unterschiedlichen Gliederungsmodelle, die die Autorin ausgearbeitet hat. Dabei geht sie auch darauf ein, wie eine naturwissenschaftliche Arbeit am besten gegliedert werden soll. Aufschlussreich sind auch die Erklärungen, warum ein „roten Faden“ beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit wichtig ist.
LeserInnenbezogen, sinnvoll, systematisch
Esselborn-Krumbiegels Buch ist auf jedem Fall ein hilfreicher Ratgeber mit verständlichen Erklärungen, wirkt jedoch mit seinen zahlreichen Abbildungen etwas überfrachtet. Nicht zu jeder Erklärung benötigt man/frau Abbildungen und Grafiken zur Veranschaulichung. Bei einer Abbildung wurde auch ein auf den ersten Blick unpassender Icon gesetzt.
Günstigerweise ist das Buch sehr auf die LeserInnen bezogen geschrieben und weist mit zahlreichen Bausteinen auf alles Wichtige hin. Das Kapitel „Überarbeiten“ beispielsweise betont, wie wichtig ein redaktioneller Schlussdurchgang ist und dass man/frau sich dafür Zeit nehmen sollte.
„Von der Idee zum Text“ ist sicher eine sinnvolle Vorbereitung auf das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit. Die Autorin verfolgt mit den LeserInnen Schritt für Schritt die Entstehung einer wissenschaftlichen Arbeit. Dabei geht es ihr weniger darum, Anleitungen bei der Verwendung von Textprogrammen zu geben, sondern darum, wie systematisches wissenschaftliches Schreiben funktioniert. Dabei muss das Buch nicht Kapitel für Kapitel durchgearbeitet werden, sondern die LeserInnen können sich gezielt bestimmte Bausteine heraussuchen. Innerhalb der Kapitel findet man/frau immer wieder Verweise auf andere Bausteine, so dass man/frau sich problemlos seinen Weg durch das Buch suchen kann.
Redaktion “Wissenschaftliches Schreiben”
Helga Esselborn-Krumbiegel
Von der Idee zum Text
Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben
221 Seiten, Broschur
€ 11,90
ISBN 978-3825223342
UTB Verlag, Stuttgart, Jänner 2008
