
Buchcover Matthias Karmasin und Rainer Ribing: Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, UTB Verlag
Besonders eingegangen wird in diesem Teil des Buchs nicht nur auf die Rechte und Pflichten eines Studierenden laut Studiengesetz, sondern auch auf die Forschungsfrage: Wie formuliere ich eine Forschungsfrage? Wie beantworte ich eine Forschungsfrage?
Recht informativ ist in diesem Teil auch das Kapitel „Stil der Arbeit“. Die Autoren geben darin allgemeine stilistische Hinweise, welche Art von Formulierungen beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit vermieden werden sollte und welche günstig ist. Vermieden werden sollte nach Meinung der Autoren zum Beispiel das anonyme „man“ oder „es“ („so sagt man“ oder „es wird festgestellt“), stattdessen lieber „hierzu ist festgehalten“ oder „dem wäre hinzuzufügen“.
Gut ist auch das Kapitel „Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit“. Hier empfehlen die Autoren den Kriterienkatalog nach Bänsch zur Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit. Dieser Katalog soll als Anhaltspunkt dienen, welche Fragen bei der Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit eine Rolle spielen können.
Weniger aufschlussreich ist hingegen das Kapitel „Inhaltlicher Aufbau der Dispositionen und der späteren Arbeit“ ausgefallen. Hier geht es, wie angekündigt, um den Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit. Leider beschreiben die Autoren vorerst nur eine grobe inhaltliche Gliederung mit Einleitung, Hauptteil und Schluss, auf die dann auch nicht besonders ausführlich eingegangen wird. Dass eine Arbeit eine Einleitung, einen Hauptteil, und einen Schluss haben muss, erfährt man/frau leider erst spätestens im zweiten Semester.
Form und Formatierung
Der zweite Teil des Buchs beschäftigt sich mit der Form und Formatierung einer wissenschaftlichen Arbeit. Erst an dieser Stelle wird auf die genaue Gliederung einer wissenschaftlichen Arbeit eingegangen. Dabei erklären die Autoren nicht nur, wie zum Beispiel ein Inhalts- bzw. Abbildungsverzeichnis auszusehen hat, sondern auch, wie man/frau diese in Word 2007 erstellt. Im Kapitel „Diplomarbeit (Magisterarbeit) und Dissertation“ heißt es, dass das Abkürzungsverzeichnis im Anhang angeführt werden soll. Das ist nicht falsch, aber auch nicht zwingend. Das Abkürzungsverzeichnis kann durchaus auch vorne aufscheinen. besonders bei naturwissenschaftlichen Arbeiten sollten Verzeichnisse auf jeden Fall vorne stehen (Usus auf der Boku).
Weiters erfährt man/frau, wie der Seitenrand in Word richtig eingestellt wird, wie in Word mit Formatvorlagen gearbeitet wird, wie Überschriften richtig nummeriert und Fußnoten eingesetzt werden, wie die Beschriftung von Grafiken und Tabellen richtig einfügt wird, wie quergestellte Abbildungen und Tabellen angeordnet und Seitenzahlen eingefügt werden und wie die Seitennummerierungen eingerichtet wird, Kopf- und Fußzeilen bearbeitet und Verzeichnisse aktualisiert werden und die Rechtschreibprüfung eingestellt wird. Die Erklärungen dazu sind anschaulich mit Abbildungen beschrieben und in einer einfachen, verständlichen Sprache gehalten.
Einzig zu bemängeln ist in diesem Teil, dass die Abbildung 4, „Titelblatt einer Seminararbeit“, als Beispiel für eine Gruppen-Seminararbeit verwendet wird, aber die Autoren mit keinem Wort erwähnen, was es sonst mit Gruppen-Seminararbeiten auf sich hat.
Im Zeitalter von Bibliothekskatalogen, Datenbanken auf CD-Rom und Internet können rasch relativ viele Informationen zu einem Thema gesammelt werden. Die Autoren gehen daher im dritten Teil ihres Buchs besonders auf die Klassifikation wissenschaftlicher Quellen ein. Handelt es sich um eine Primär-, Sekundär- oder Tertiärquelle – und welche ist zu bevorzugen? Was ist graue Literatur? Ein durchaus informatives Kapitel, wenn auch etwas zu viele Grafiken die manchmal langatmigen Erklärungen der Autoren besser veranschaulichen sollen.
Ein für die Universität für Bodenkultur anders gelöster Punkt ist der der Aufwärtsregel: Im Kapitel „Wissenschaftliche Quellen nach Art der Veröffentlichung“ schreiben die Autoren, dass für Zitate aus Diplomarbeiten die sogenannte „Aufwärtsregel“ gilt, die besagt, d. h. dass man/frau nur aus höherstehenden Werken zitieren soll und keine Zitate in einer Diplomarbeit verwenden soll, die aus einer anderen Diplomarbeit stammen. Für die Universität für Bodenkultur Wien hat jedoch Professor Blum festgestellt, dass Zitate aus verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten, auch Diplomarbeiten, verwendet werden können, solange diese öffentlich zugänglich sind und ex lege auch in der Nationalbibliothek vorgehalten werden.
Die richtige Zitierweise
Der vierte Teil des Buchs beschäftigt sich mit der richtigen Zitierweise in einer wissenschaftlichen Arbeit. Dabei werden vor allem Beispiele aus den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften herangezogen, die aber gut und verständlich erklärt sind und sich für jeden anderen Studienbereich übernehmen lassen. Ganz besonders gefällt uns der Österreichbezug der Beispiele. Leider wird in der vorliegenden Ausgabe nur das Zitieren in Fußnoten erklärt, was nicht mehr dem aktuellen Stand der Dinge entspricht. Sehr viele BetreuerInnen raten aufgrund der dabei entstehenden Unübersichtlichkeit von dieser Zitierweise ab. Für naturwissenschaftliche Arbeiten auf der Boku sind Fußnoten überhaupt verboten.
Zum Schluss des Buchs geben die Autoren noch ein paar Tipps zum Präsentieren und Vortragen einer wissenschaftlichen Arbeit.
Zusammenfassend
„Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten“ ist ein Buch, das EinsteigerInnen sowie erfahrenen VerfasserInnen einer wissenschaftlichen Arbeit eine optimale Einführung in die Welt des wissenschaftlichen Arbeitens bietet. Durch zahlreiche anschauliche Praxis- und Anwendungsbeispiele wird den LeserInnen auf verständliche Art und Weise der Einstieg in den wissenschaftlichen bzw. akademischen Arbeitsprozess ermöglicht. Ein Buch, dass für jede/n geeignet ist, der/die eine wissenschaftliche Arbeit verfassen will, egal in welchem Bereich. Allerdings müssen im Einzelnen die unterschiedlichen Vorgaben der jeweiligen Studienrichtungen und der Dekanate immer unbedingt beachtet werden.
Redaktion “Wissenschaftliches Schreiben”
Matthias Karmasin, Rainer Ribing
Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten
141 Seiten, Broschur
€ 9,90
ISBN 978-3825227746
UTB Verlag, Stuttgart, 2007
Vierte Auflage 2009 erschienen.