Sehr anschaulich beginnt der Autor mit einer semantischen Analyse eines Auszugs aus einer Prüfungsordnung, um darauf hinzuweisen, dass Wörter einen bestimmten Sinn haben und dementsprechend verwendet werden sollten. Schön ist auch seine Liste der Wörter, die in Studienarbeiten nichts zu suchen haben, weil sie unpassend, unpräzise, zu bildhaft oder sinngleich bzw. sinnverwandt sind (z. B. die beliebte „runde Kugel“).
Es geht weiter mit den Grundbegriffen und den Anforderung an wissenschaftliches Arbeiten in den verschiedenen Wissenschaften und ihrer konkreten Formulierung (z. B. sollten wissenschaftliche Aussagen nicht trivial und auf jeden Fall überprüfbar sein). Darauf aufbauend folgt unter dem nicht unbedingt griffigen Titel „Positionieren von Studienarbeiten“ die Klassifikation von wissenschaftlichen Arbeiten. Hier geht der Autor u. a. auf die Unterschiede zwischen Seminar-, Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten ein, auf die verschiedenen Ansprüche, die die Arbeiten aufweisen sollen, die Beschreibung unterschiedlicher Zugänge zu einem gewählten Thema und die Formulierung der zentralen Fragestellung. Weiters beschäftigt er sich mit der Kategorisierung der Quellen und ihrer Einordnung in den „Wasserfall wissenschaftlichen Wissens“ und erklärt, warum vorgegebene Richtlinien (z. B. Zitierrichtlinien) sinnvoll und nützlich sind. Danach geht er auf Fragen der Recherche, des Zitierens, der Fußnoten und der Anmerkungen ein.
Aufschlussreich, nachvollziehbar, präzise
Mit seinen umfangreichen Erfahrungen aus der Hochschulpraxis entwickelt Georg Disterer einen aufschlussreichen Arbeitskatalog und gibt gute Tipps zum Herangehen an eine wissenschaftlichen Arbeit und bei der Themen-, Literatur- und Formfindung, auch Gedanken zu fremdsprachlich verfassten Arbeiten und Deutsch im Wissenschaftsbetrieb.
Neben den qualitativen Anforderungen bezüglich Aufbau, Gliederung, äußerer Form und Sprache gibt er auch Auskunft über die dazugehörigen formalen Richtlinien (z. B.: Was kommt alles in eine Einleitung und warum?). Er führt nachvollziehbar aus, warum und wann Abbildungen, Tabellen und Grafiken eingesetzt werden, beschäftigt sich aber nicht damit, wie man/frau sie erstellt und formatiert.
„Studienarbeiten Schreiben“ ist ein gut gegliederter, übersichtlicher Grundriss mit manchen leicht verwirrenden Zwischentiteln, aber kein „Kochbuch“ mit präzisen Anleitungen, wie man/frau eine wissenschaftliche Arbeit verfasst. Da es sich eigentlich um eine Theorie der Seminararbeit handelt, richtet sich das Buch nicht nur an Studierende, sondern z. B. auch an BegutachterInnen von Seminararbeiten.
Redaktion “Wissenschaftliches Schreiben”
Georg Disterer
Studienarbeiten Schreiben.
Seminar-, Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten in den Wirtschaftswissenschaften
195 Seiten, Taschenbuch
€ 10,50
ISBN: 978-3540723905
Springer, Berlin, August 2008
