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1. Juni 2007– Das europäische Gedicht

August von Platen

Bild: Drei Menschen im Gespräch

Graf August von Platen-Hallermünde, 1796 in Ansbach geboren, stammte aus einer verarmten Adelsfamilie und strebte zunächst eine Militärkarriere an, bevor er sich diversen Universitätsstudien widmete. Eine heftige Auseinandersetzung mit Heinrich Heine, der in Reaktion auf Platens antisemitischen Äußerungen ihm gegenüber dessen Homosexualität öffentlich machte, ging als die Platen-Affäre in die Literaturgeschichte ein. 1826 verließ er Deutschland in Richtung Italien, wo er ein rastloses Leben führte und häufig umzog. 1853 starb der Dichter in Syrakus auf Sizilien.

Der Seelenwanderer

Scherzend rief ich solche Worte, da das Licht herabgebrannt war:
„Dich beklag' ich, armes Herzchen, daß zum Nichts dein Sein so bald ward!“
Aber Antwort gab die Kerze, dieses hört' ich voll Bewundrung:
„Überhebe nicht dich also, denn auch ich war einst, was nun du!
„Starb ich, modert' ich, doch wieder wuchs ich aus dem Grab als Aglei,
Kam ein Bienchen, machte fleißig, nutzte mich im Korb zur Arbeit.
„Ward ich Wachs, worau man endlich diese Kerze nun für dich goß:
Staub und Erde mußt du werden, ich verzehre mich im Lichtstoff.“

Text Ende

Leider liegen die Texte nicht in allen Sprachen vor.

 

 

Aus: August Graf von Platens Werke, Erstes Buch, hrsg. von Carl Christian Redlich, Hempel, Berlin, 1880  
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