Walther von der Vogelweide

Walther von der Vogelweide, um 1170 geboren, gilt als bedeutendster Lyriker der
klassischen mittelhochdeutschen Epoche. Als Berufsdichter und
Sänger stand er im Dienst verschiedener Königs- und Fürstenhöfe,
u. a. sang und dichtete er unter Friedrich II. Sein Werk umfasst
sowohl Spruchdichtungen als auch Sangeslyrik, in der er sich
hauptsächlich dem Thema Minne widmete. Dabei war er der erste
mittelhochdeutsche Dichter, der das Ideal der Hohen Minne, der
unnahbaren, nie realisierten Liebe zwischen Mann und Frau kritisierte
und dem Modell der wechselseitigen, echten Liebe den Vorzug gab.
In seinen Spruchdichtungen thematisierte er vor allem die Konflikte
zwischen König, Fürsten und Papst, verfolgte damit aber auch
didaktische (allgemeine Lebenslehren) und politische (Kritik
und Lob des Adels) Ziele. Walther von der Vogelweide starb vermutlich
1230 in Würzburg.
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ehrliche ehren
Sagt, was soll mir ehre
bringt sie schande ein und wehgschrei
daß ich mich beschwere
heute schmerz, das andre – lang vorbei
leiste drum auf manchen kranz verzicht
pflück manch blume nicht
manch wunderrose – ach, die dorne sticht
Die sich nicht vergeuden
so daß keiner sie bereden mag
werden alt in freuden
und es quält sie nicht ein halber tag
denn wie fröhlich sichs beim tanze lacht
ist man auf ehr bedacht
weh ihr, der ihr geliebter schande macht
Man soll ruhig fragen
wie es einem freund ums herze steht
macht es unbehagen
denk man: besser früher als zu spät
mancher tut vor fremden ehrenwert
der sich um ehr nichts schert
den ehrt bei hof, der sich daheim bewährt
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(Aus: Walther von der Vogelweide, Frau Welt, ich hab von dir getrunken, Rütten & Loening, Berlin, 1979, S.160f.)
Übersetzer: Hubert Witt |
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