Francesco Petrarca

Francesco Petrarca
wurde 1304 geboren und starb 1374. Er stammt aus Arezzo und kam 1311 nach Südfrankreich.
Petrarca war gelehrter Humanist, dichtete lateinisch und italienisch. In seinen
italienischen Gedichten ist die Sehnsucht nach der Liebe seiner Dame zentrales
Thema. Seine Gedichte beeinflussten die europäische (Liebes-)Dichtung nachhaltig. |
8.
Wann um das Frühroth sich ein süßes Wehen
Zur Lenzeszeit in Blumen regt und Blüten,
Und Vöglein rings beginnen ihre Weisen,
So süß dann regt sich drinnen in der Seele
Erinnerung an sie und ihre Stärke,
Daß ich erneuen musß die alten Laute. O würden meine Seufzer süße Laute,
Lauren zu sänftigen in lindem Wehen,
So Recht zu üben gegen ihre Stärke!
Doch eh' wird Winter Jahreszeit der Blüten,
Eh' Liebe blüht in dieser hohen Seele,
Die nimmer fragt nach Sang und Reimesweisen.
Wie viel der Thränen, ach! wie viel der Weisen
Hab' ich verschwendet! und wie viel der Laute
Hab' ich versucht, zu beugen diese Seele!
Doch steht sie fest, gleich rauher Alp im Wehen
Der Weste, die wol Laub zerstreu'n und Blüten,
Doch nichts vermögen wider größ're Stärke.
Menschen und Götter überwand durch Stärke
Amor, so künden Sprüch' und Sangesweisen,
Mir ward es kund zur Zeit der jungen Blüten.
Weder mein Herr nun zwingt, noch seine Laute,
Noch Thrän' und Bitte sie, daß Sie der Wehen
Oder des Seins entlade meine Seele.
So ruf' in letzter Noth, o arme Seele,
All' deine Weisheit auf, all' deine Stärke,
Weil uns des Lebens Lüste noch umwehen.
Was können nicht auf Erden Sängers Weisen!
Der Schlangen Gift beschwören ihre Laute, -
Warum nicht schmücken Eisen mit jungen Blüten?
Jetzt lachen rings auf Hügeln Halm' und Blüten;
Es kann nicht sein, daß diese Engelseele
Sie nicht vernähm', der Liebe süße Laute; -
Doch ist mein bös Geschick von größ'rer Stärke,
Weinend dann will und singend meine Weisen
Mit lahmem Rind' ich jagen Windeswehen.
Ein Netz für Zephyrwehen, Eis für Blüten
Sind meine Weisen tauber, stolzer Seele,
Die Amors Stärke schmäht und seine Laute.
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