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„Epoema – Das europäische Gedicht" ist eine Initiative für das europäische Gedicht und ein Beitrag zu einer gemeinsamen, solidarischen und friedvollen Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft und „alten“ und „neuen“ Mitgliedstaaten und ihrer Bürgerinnen und Bürger.

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3. oktober 2005 – Das europäische Gedicht

Rudolf Jeremias Kreutz

Bild: Drei Menschen im Gespräch

(eigentlich R. Křiž, Pseudonyme: Jeremias, Esau, Ormuzd, Yumslai, O. Mosquito) wurde am 21. Februar 1876 als Sohn des Direktors einer Zuckerfabrik in Rozdalevice (Nordböhmen) geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums besuchte er die Infanteriekadettenschule in Wien und trat 1894 als Fähnrich in die k. u. k. Armee ein. Kreutz hatte früh zu schreiben begonnen. Erste Veröffentlichungen (vor allem Gedichte) sind in der Zeitschrift Die Muskete und anderen humoristischen Blättern nachweisbar, daneben veröffentlichte er Artikel zu militärischen Themen in Danzer’s Armeezeitung. 1911 wurde er in die Präsidialkanzlei des Kriegsministeriums berufen, in dessen literarischem Büro er bis 1914 tätig war. Einer seiner Aufträge bestand darin, einen Gegenroman zu Gustav Siebers’ patriotischem Pamphlet Quo vadis, Austria zu schreiben. Das Werk blieb jedoch kriegsbedingt fragmentarisch. Nach Kriegsausbruch rückte Kreutz ein, kam an die Ostfront, wurde verwundet und geriet im November 1914 in russische Gefangenschaft. Im Januar 1918 gelang es Kreutz, aus der Kriegsgefangenschaft zu entkommen. Er kehrte schließlich nach Wien zurück, wurde 1920 als Oberstleutnant pensioniert und lebte fortan als freier Journalist und Schriftsteller. Er schrieb Romane, Novellen, Theaterstücke, Hörspiele, Gedichte, Feuilletons, Buchkritiken und war ständiger Mitarbeiter der Neuen Freien Presse. Kreutz hat sich zeitlebens in politischer Hinsicht nicht exponiert, politisch gehörte er der Mitte an und war, wie er selbst von sich sagte, "hoffnungslos liberal". Nach dem 1. Weltkrieg engagierte er sich für die Friedensbewegung"Clarté". Während des NS-Regimes verfasste er u. a. Gedichte, die Kritik am Hitlertum übten. Er bekam Schreibverbot und wurde unter Beobachtung gestellt, im August 1944 inhaftiert, letztendlich jedoch wieder freigelassen. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs trat Kreutz wieder literarisch an die Öffentlichkeit. Als Vermächtnis kann sein Bekenntnisbuch bezeichnet werden, der Roman Ich war ein Österreicher, der 1959 erschien. Kreutz starb am 3. September 1949 in Grundlsee.

Die kleinen Leute sind es,
die ich liebe

Die kleinen Leute sind es, die ich liebe,
Die kleinen Leute, müden Angesichts. -
Sie rennen vorwärts, als ob Gott sie triebe,
Und stapfen freudig in das große Nichts ...

Und gehen letzte Weg unverdrossen
Mit krummen Rücken, von Tornistern schwer,
Und werden ihrer noch so viel erschossen,
Aus roter Erde wachsen immer mehr.

Aus Heimaterde, die zu kargem Geben
Bereit sich fand, als noch die Sonne schien.
Nun legen sie als Dank ihr heißes Leben
Tapfer und still der stolzen Mutter hin.

O Menschentum von wunderlichter Größe!
Fürwahr, ein edleres sah die Heimat nie.
Mit Flicken deckte sie der Kleinen Blöße
Und diese Kleinen, seht, die schützen sie!

Und brausen feindwärts, selbstlos, hart und mutig,
Herztief verkrampft in Unabwendbarkeit.
Und schürfen aus dem Chaos, wüst und blutig.
Die Strahlenkrone einer schöneren Zeit.

Text Ende

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Aus: Kreutz, Rudolf Jeremias: Ernte im Sturm. Wien: Wiener Verlag 1946. S. 11.

   
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