Kostas Karyotákis
wurde 1896 in Tripolis auf dem Peloponnes geboren. Er verbrachte einen großen
Teil seines Lebens in Prevesa in Epirus, wo er als Beamter tätig
war. Erste Verse veröffentlichte er im Alter von 16 Jahren in Zeitungen
und Zeitschriften. Zu seinen Werken zählen u. a. O pónos tou anthrópou
ke ton pramáton (Der Schmerz der Menschen und der Dinge, 1919)
und der Prosatext Despinís Bovary (Das Fräulein Bovary). Kostas
Karyotákis beging 1928 Selbstmord.
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Ideale Selbstmörder
Den Schlüssel drehen sie im Schloß,
nehmen ihre alten aufbewahrten Briefe,
lesen sie ruhig und schleppen dann
zum letzten Male ihre Schritte.
Ihr Leben, sagen sie, war eine Tragödie.
Mein Gott, das entsetzliche Lachen der Menschen,
die Tränen, der Schweiß und das Sehnen
zum Himmel, die Ödnis der Orte.
Sie stehen am Fenster und erblicken
die Bäume, die Kinder und fern die Natur,
die Marmorhauer mit schlagendem Hammer,
sie sehen die Sonne für immer versinken.
Alles ist aus. Noch letzte Zeilen,
tiefsinnig, kurz, einfach, wie es sich ziemt,
erfüllt von Gleichmut und Vergebung
für den, der weint und sie lesen wird.
Sie blicken zum Spiegel, schaun auf die Uhr,
fragen sich, ob es denn dumm sei oder falsch,
»alles ist aus« flüstern sie und »jetzt«,
im Innern gewiß, die Tat zu verschieben.
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