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21. Februar 2005 – Das europaische Gedicht

Erich Fried

Porträt: Erich Fried

Erich Fried wurde am 6. Mai 1921 in Wien geboren, emigrierte 1938 jedoch nach London. Zwischen 1952 und 1968 war er Mitarbeiter des BBC und erhielt die britische Staatsbürgerschaft. Bekannt wurde er vor allem durch seine politisch engagierten Gedichte der 1960er Jahre. Erich Fried starb am 22. November 1988. Sein literarisches Werk umfaßt neben seinen Gedichten auch Hörspiele und Erzählungen.

Fragen und Antworten

Wo sie wohnt?
Im Haus neben der Verzweiflung

Mit wem sie verwandt ist?
Mit dem Tod und der Angst

Wohin sie gehen wird
wenn sie geht?
Niemand weiß das

Von wo sie gekommen ist?
Von ganz nahe oder ganz weit

Wie lange sie bleiben wird?
Wenn du Glück hast
solange du lebst

Was sie von dir verlangt?
Nichts oder alles

Was soll das heißen?
Daß das ein und dasselbe ist

Was gibt sie dir
– oder auch mir – dafür?
Genau soviel wie sie nimmt
Sie behält nichts zurück

Hält sie dich
– oder mich – gefangen
oder gibt sie uns frei?
Es kann uns geschehen
daß sie uns die Freiheit schenkt

Frei sein von ihr
ist das gut oder schlecht?
Es ist das Ärgste
was uns zustoßen kann

Was ist sie eigentlich
und wie kann man sie definieren?
Es heißt, daß Gott gesagt hat
daß er sie ist

Text Ende

Leider liegen die Texte nicht in allen Sprachen vor.

 

 

 

Aus: Fried, Erich: Es ist, was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 1983, Neuauflage 1996.

   
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