Eamon Grennan

Eamon Grennan wurde 1941 in Dublin geboren und studierte Englisch
und Italienisch in Dublin und Harvard. Neben mehreren Gedichtbänden
verfaßte er auch eine Vielzahl an Essays und Kritiken, die
in verschiedenen irischen und US-amerikanischen Zeitschriften
veröffentlicht wurden. Seit 1974 unterrichtet er am Vassar
College in Poughkeepsie im Staat New York. 1997 erhielt er den
PEN Award for Poetry in Translation sowie 2003 den Lenore Marshall
Award for Poetry von der American Academy of Poets.
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Wing Road
Erstaunlich, wie der junge Mann, der unseren
Mistkübel leert, den Lastwagen besteigt,
während der weiterfährt, er erhebt sich wie ein Engel
in einem kobaltblauen karierten Hemd und einer lila
Wollmütze, schmutzigen Arbeitshandschuhen,
ein vogelbeerrotes Halstuch flattert ihm am Hals. Er setzt
einen Fuß über den Kotflügel, schließt seine
linke Hand fest um einen Stahlbügel, der aus dem
lauten Maul des Kipplasters wächst, und wird fortgetragen,
leicht wie eine Katze, sein rechtes Bein baumelt,
die überwältigte Luft hascht nach seinem schwarzen Bart.
Er lächelt plötzlich, dehnt sich und zieht den Morgen
in seinen geblähten
Brustkorb, den rechten Arm weit ausgestreckt,
ein karierter kobaltblauer Flügel, der zwischen der unscharfen
Erde
und dem Himmel dahingleitet, ein Bote unter den Robinien,
die in stiller Panik an seinem Weg stehen. Aber
sein Auftrag führt ihn nicht zwischen die Bäume: er säumt
beide Ränder der Wing Road im Sonnenschein
mit leeren Mistkübeln, jeder liegt auf der Seite, den zerbeulten
Deckel neben sich,
und lässt seine Leere vom Mittagslicht blitzblank putzen.
In einer plötzlichen Wolke von Dieselrauch weggetragen, in
einem kläglichen Aufschrei der Bremsen und Gänge, einem
Brüllen monströsen mechanischen Hungers,
hat er dieses unwahrscheinliche Strahlen hinter sich verstreut,
wo die Krähen, die miteinander auf den Ästen hocken, auffliegen
und sich zanken.
Wing Road
Amazing, how the young man who empties
our dustbin ascends the truck as it moves
away from him, rises up like an angel
in a china-blue check shirt and lilac
woollen cap, dirty work-gloves, rowanberry
red bandanna flapping at his throat. He plants
one foot above the mudguard, locks his
left hand to a steel bar stemming
from the dumper's loud mouth and is borne
away, light as a cat, right leg dangling,
the dazzled air snatching at that black-
bearded face. He breaks to a smile, leans
wide and takes the morning to his puffed
chest, right arm stretched far out, a checkered
china-blue wing gliding between blurred earth
and heaven, a messenger under the locust trees
that stand in silent panic at his passage. But
his mission is not among the trees: he has
flanked both sunlit rims of Wing Road
with empty dustbins, each lying on its side,
its battered lid fallen beside it, each
letting noonlight scour ist emptiness
to shining. Carried off in a sudden cloud
of diesel smoke, in a woeful crying out
of brakes and gears, a roaring of monstrous
mechanical appetite, he has left this unlikely
radiance straggled behind him, where the crows,
covening in branches, will flash and haggle.

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